Kurz, Rudolf Friedrich (1818-1871)

Rudolf Friedrich Kurz, 8.1.1818 Langnau im Emmental - 16.10.1871 Bern. Maler. 1846-1852 Amerikaaufenthalt. Zeichenlehrer am Gymnasium Bern, erster Direktor der Kantonsschule Bern.

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In Bern erster Zeichenunterricht bei Nikolaus Senn am Gymnasium und ab 1834 bei Joseph Volmar. 1838–1842 Weiterbildung in verschiedenen Pariser Künstlerateliers. Frankreichreisen. Begegnet in Paris Alexander von Humboldt und Karl Bodmer. 1842 Rückkehr nach Bern, Zeichenlehrer an der Realschule Hofwyl. 1846 Reise nach Amerika. 1847 Weiterreise von New Orleans bis St. Louis. 1848–1850 in St. Joseph, Missouri, als Kneipenwirt und Krämer; kurze Ehe mit Witthae, Tochter des Kirutsche, einer führenden Persönlichkeit der Iowa. 1851 Reise bis Fort Union in North Dakota bei der Mündung des Yellowstone. Wird als Flach-, Dekorations- und Kunstmaler sowie als Musikant und Magaziner eingestellt. 1852 Fahrt nach New York und Verkauf eines Grossteils seiner gesammelten indianischen Objekte, um die Heimreise finanzieren zu können. Ab 1855 Zeichenlehrer an der Kantonsschule Bern. Mitglied der Berner Künstlergesellschaft, zeitweilig der Direktion angehörend. Regt 1870 die Gründung einer selbständigen Kunstschule in Bern an und wird deren erster Direktor. Der Grossteil der Darstellungen ist dem Leben der Indianer, der amerikanischen Fauna und Flora gewidmet. Untrennbar damit verknüpft sind die Reisetagebücher und kleinere Schriften, die mit den Bildern die Grundlage zu einer Indianergalerie bilden sollten, die Kurz jedoch nie realisieren konnte. Angeregt durch rousseausches Gedankengut und geprägt durch Romane James F. Coopers träumt Kurz bereits in jungen Jahren davon, das romantische Leben der Indianer malerisch darzustellen. Neben seinem aufrichtigen Interesse an den Indianern strebte er danach, das von der Zivilisation unverdorbene Idealbild menschlicher Schönheit zu erschaffen und betrachtete die Indianer als geeignete Modelle. Sie verkörperten für ihn diejenigen Menschen, die der wahren Urnatur noch am nächsten standen. Im Spannungsfeld zwischen künstlerischem Ideal, dem Studium der Indianer und der Natur entstand ein ausgesprochen heterogenes Werk, das durch eine Mischung klassizistischer, romantischer und realistischer Formensprache geprägt ist. Neben treffenden Porträts, präzisen Wiedergaben indianischer Gegenstände, akkuraten Studien von Fauna und Flora stehen weniger geglückte Zeichnungen, der eigenen Vorstellung entsprungene Ergänzungen und idealisierte, an der Antike orientierte Figuren, die dem zeitgenössischen Schönheitsideal nahe kommen. Diese stereotypen Gestalten in einem Jean-Auguste-Dominique Ingres oder John Flaxman nachempfundenen Zeichenstil negieren jegliche Persönlichkeit und Realität. Zeitgenossen erkannten die Schwierigkeiten seiner Suche nach dem «Beau ideal» und die bisweilen schwerfälligen Kompositionen. Sie sahen sein grösstes Talent im Bereich der Tier- und Landschaftsmalerei. Zu wenig Beachtung fand seine Hinterlassenschaft, die das Leben der Grenzer und das Dasein der Indianer in Bild und Wort dokumentierte. Nachhaltig prägte Kurz das gängige Indianerbild mit sechs Darstellungen für einen 1862 erschienenen Fortsetzungsbericht von Balduin Möllhausen in der Gartenlaube, einer der damals populärsten Illustrierten, zu deren Leserschaft auch Karl May gehörte. Veröffentlichungen überarbeiteter Tagebuchauszüge durch den Neffen Emil Kurz 1894 und die Herausgabe von Teilen des Tagebuches mit Zeichnungen in der Reihe Schweizer Jugendbücher 1916 beeinflussten die Vorstellungswelt einer breiten Leserschaft über die Indianer, auch wenn Kurz nie die Bekanntheit von Karl Bodmer oder des nordamerikanischen Malers George Catlin erlangte. Anerkennung fand sein Werk als reiche Informationsquelle historischer und ethnographischer Forschung im 20. Jahrhundert zuerst in den USA, bevor es in der Schweiz eine gewisse Wertschätzung erreichte. Werke: Historisches Museum Bern; Kunstmuseum Bern; Boston, Museum of Fine Arts, Karolik Collection; Tulsa (OK), Thomas Gilcrease Institute of American History and Art; Zürich, Nordamerika Native Museum. Quellen: Historisches Museum Bern [Skizzenbücher, Tagebuch]; Kunstmuseum Bern [Skizzenbücher].

Ylva Gasser, 2006

 

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